Geschichte Erinnern – Die Shoa in Comics.

Eine Ausstellung mit Bahoe Books aus Wien

Ort: Raum404, Nicolaistrasse 34/36, 28195 Bremen

Dauer: 03.09.2026 – 03.10.2026

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag: 16 -19 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr

Ort: Raum404, Nicolaistraße 34/36, 20195 Bremen

Programm

  • 03.09.2026, 19 Uhr, Raum404, Nicolaistraße 34/36: Vernissage: Geschichte Erinnern. Holocaust und die Shoa in Comics.
  • 10.09.2026, 19 Uhr, Logbuch, Vegesacker Straße 1: Werkstattgespräch: „Die Kinder von Buchenwald“ Mit Anais Depommier (FR), Moderation Prof. Karen Struve (Universität Bremen)
  • 15.09.2026, 18 Uhr, Raum404, Nicolaistraße 34/36: Vortrag: Antisemitismus und die Shoa – Comics in der Präventions- und Erinnerungsarbeit Mit Dr. Andrea Köhler, KZ Gedenkstätten Neuengamme (HH), Moderation: Landeszentrale politische Bildung Bremen
  • 30.09.2026, 19 Uhr, Raum404, Nicolaistraße 34/36: Panel-Gespräch: Chancen und Grenzen des Comics als politisches Medium. Mit Dr Veronique Sina (F.a.M.) und Jan-Paul Koopmann (HB)

Auch an der Comicwelt zieht die Gesellschaftliche Entwicklung nicht spurlos vorüber. Der 7. Oktober und der sich immer schamloser öffentlich zeigende Antisemitismus hat uns dazu bewogen, uns mit dem Blick der Comicwelt auf die Shoa zu beschäftigen. Der Verlag bahoe books aus Wien hat innerhalb seiner Ausrichtung auf historische und gesellschaftspolitische Comics einen Schwerpunkt auf Comics zu jüdischer Kultur und zum Holocaust. Wir freuen uns daher eine Auswahl der Comics dem Bremer Publikum im Raum404 präsentieren zu können.

Mit dieser Ausstellung verknüpfen wir von Kulturnetz e.V. unsere Expertise im Bereich Comics mit einer Positionierung in der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die Ausstellung beleuchtet Comics als künstlerisches Genre, nimmt Comics aber auch als Ort wahr, an dem und in dem gesellschaftlich relevante Diskussionen geführt werden. Wir betrachten einerseits das Genre an sich und nehmen und die genreinternen Entwicklungen und Fragen in den Blick. Auf der anderen Seite sehen wir das Genre Comic als narratives Medium. Damit ist es Teil des diskursiven Raums, in dem es um die Inhalte geht. Die präsentierten Comics beschäftigen sich mit der Geschichte des Holocaust und liefern damit einen Mosaikstein für die Geschichte des Staats Israel und seiner Entstehung. Sie erhellen aber auch den Hintergrund für jüdisches Leben in Deutschland und Europa. Zudem zeigen sie Mechanismen des Antisemitismus, die für das Verständnis der heutigen Situation nützlich sein können.

Vorgestellt werden die folgenden Comics

Die Kinder von Buchenwald

Anaïs Depommier ist Comiczeichnerin, Illustratorin und Grafikerin. Zahlreiche Veröffentlichungen.

Dominique Missika ist eine französische Verlegerin, Journalistin und Historikerin. Sie ist Mitglied der Fondation pour la mémoire de la Shoah.

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald im April 1945 stehen mehr als tausend jüdische Kinder vor einer ungewissen Zukunft. Sie haben auf wundersame Weise überlebt, doch die meisten sind Waisen. Eine internationale Hilfsaktion unter der Leitung des Œuvre de Secours aux Enfants nimmt sich ihrer an und versucht, ihnen Halt zu geben.

Im Juni 1945 finden 426 von ihnen für einen Sommer Zuflucht in der Normandie. Viele sind krank, traumatisiert und heimatlos. Ärzte, Pädagogen und Sozialarbeiter begleiten sie, helfen ihnen, neue Kraft zu schöpfen und Schritt für Schritt wieder Freude am Leben zu entdecken.

Auf Grundlage der Erinnerungen der Überlebenden erzählt die Historikerin Dominique Missika in dieser Graphic Novel die bewegende Geschichte der Kinder von Buchenwald.

Erinnerungen an die Shoah

Annick Cojean geboren 1957 in Brest, französische Journalistin, arbeitet für die Pariser Zeitung Le Monde sowie für das Fernsehen.

Tamia Baudouin , geboren 1989, ist eine in Japan lebende französische Künstlerin, zahlreiche Veröffentlichungen bei renommierten Verlagen.

Théa Rojzman geboren 1974, wurde nach ihrem Philosophiestudium und einer Ausbildung zur Psychotherapeutin Szenaristin und Zeichnerin von Graphic Novels und hat mittlerweile ein umfangreiches Werk vorgelegt.

1995. Die große Reporterin der Zeitung Le Monde, Annick Cojean, beginnt anlässlich des 50. Jahrestags der Befreiung der Konzentrationslager eine Serie von fünf Artikeln über Erinnerungen an die Shoah und spricht mit Überlebenden, die lange Zeit geschwiegen haben oder denen nicht zugehört wurde, aber auch mit Kindern von Nazis über ihre Bürde, «schuldig geboren» zu sein.

Erinnerungen an die Shoah berichtet über das Schweigen, das Vermächtnis und das Weitergeben, aber auch über die erschütternden Begegnungen zwischen den Kindern der Täter und denKindern der Opfer.

Für diese Texte erhielt Annick Cojean 1996 den Prix Albert Londres, den renommiertesten Journalistenpreis Frankreichs. Diese heute nach wie vor aktuellen und wichtigen Erinnerungen wurden von Théa Rojzman (Szenario) und Tamia Baudouin (Illustrationen) mit Kraft, Poesie und Subtilität neu interpretiert.

Die Kinder von Izieu

Giulio Salvadori, geboren 1991 in Italien, Comiczeichner, machte seinen Abschluss an der TheSign Design Academy in Florenz.

Pascal Bresson, geboren 1969 in Reims, hat sich auf Illustrationen für junge Leute spezialisiert, ist aber auch als Szenarist tätig. Er lebt derzeit in der Bretagne.

Anfang 1943 gründen Sabine und Miron Zlatin in der südfranzösischen Gemeinde Izieu im Departement Ain in der besetzten italienischen Zone ein Waisenhaus – das Maison d’Izieu –, um jüdische Kinder aufzunehmen und zu schützen. Nach der Kapitulation Italiens am 8. September 1943 marschiert die Wehrmacht in Südostfrankreich ein.

Unmittelbar beginnt eine verschärfte Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, mit Verhaftungen in Chambéry und Umgebung und mit der Ablösung des Unterpräfekten von Belley, dem Beschützer des Waisenhauses. Am 6. April 1944 erreichen Wehrmachtsangehörige in Begleitung von drei Gestapo-Offizieren das Maison d’Izieu, die anwesenden 44 Kinder und sieben jüdischen Erwachsenen werden verhaftet und abgeführt. Nur Léon Reifman gelingt mit einem Sprung aus dem Fenster die Flucht. Die Perticoz, eine Bauernfamilie in der Nachbarschaft, verstecken ihn … Sie verstehen nicht: Warum werden Kinder so brutal angegriffen? Wer hat Klaus Barbie und seine Handlanger auf dieses friedliche Waisenhaus aufmerksam gemacht? Gibt es vielleicht eine Denunziation?

Die Kinder und ihre Betreuer werden nach Lyon und dann nach Drancy gebracht, bevor sie nach Auschwitz deportiert und ermordet werden.

Mit einem Nachwort von Dominique Vidaud, dem Direktor der Gedenkstätte Izieu.

Leben und sterben in Auschwitz

Dietmar Reinhard, studierte visuelle Kommunikation in Mainz, arbeitete und lebte in Amsterdam und ist seit seiner Rückkehr nach Deutschland als Illustrator für Medien wie Stern, Die Zeit und Süddeutsche Zeitung tätig.

«Bilder stellen etwas dar, was Sprache nicht auszudrücken vermag.» Was Primo Levi in seinem Vorwort zu einem 1981 erschienen Buch mit Zeichnungen aus den NS-Konzentrationslagern schreibt, lässt sich auch für Leben und Sterben in Auschwitz festhalten.

Der deutsche Illustrator Dietmar Reinhard legt nach fünfjähriger akribischer Arbeit mit umfangreichem Quellenstudium nun eine nüchterne und sachliche Chronologie von Auschwitz als Graphic Novel vor. Als Leitfaden für den dokumentarischen und realistischen Zugang diente das Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Danuta Czech, bis in die kleinsten Details und die Dialoge folgt Leben und Sterben in Auschwitz der historischen Evidenz.

Jan Karski – Zeuge der Shoah

Jan Karski ist einer der maßgeblichsten Zeugen des Holocausts. 1992 wurde er von Yad Vashem in die Liste der Gerechten unter den Völkern aufgenommen und zu einem Ehrenbürger Israels ernannt.

Als Soldat der polnischen Armee nach dem deutschen Überfall im September 1939 gefangengenommen, konnte Jan Karski bei dem Transport in ein Lager flüchten, schloss

sich dem polnischen Widerstand an und wurde als Kurier eingesetzt. Bei einer seiner zahlreichen Missionen wurde er von der Gestapo verhaftet und schwer gefoltert, konnte jedoch mit Hilfe des Untergrunds aus einem Spital fliehen.

1942 begann sein wichtigster Auftrag. Mit Hilfe eines jüdischen Aktivisten wurde Karski in das Warschauer Ghetto und in ein Durchgangslager für das Vernichtungslager Bełzec geschmuggelt, um der Welt als glaubwürdiger Augenzeuge über die bereits weit fortgeschrittene vollständige Ermordung der polnischen jüdischen Bevölkerung zu berichten.

Mit auf dem Weg nach London und New York, wo er persönlich Churchill und Roosevelt traf, hatte er die Wahrheit, welche die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttern und der Shoah ein Ende bereiten sollte …

Partner und Förderer:

Senator für Kultur, Senatorin für Soziales, Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Beirat Mitte, Literaturhaus e.V., Deutsch-israelische Gesellschaft, Menorah – Liberale Jüdische Gemeinde Bremen/Bremerhaven, Artist Against Antismitism, Logbuch-Buchhandlung, Landeszentrale für politische Bildung Bremen