Darüber muss man reden / Walkthrough mit Patricia Lambertus

Walkthrough…durch Räume gehen:

Gebäude, Räume, Wände – Menschen. Das Umgebende, das Nahe, das Innere. Distanz und Nähe. Das Ganze und das Detail. Der Ausdruck und der Eindruck. Wild kann es sein, anregen, provozieren, Gewalt. Aber auch ruhig und voller Poesie. Schlicht oder schrill….
Räume haben in jedem Fall Macht. Sie geben vor oder nur den Rahmen. Sie zu schaffen, heißt Verantwortung zu übernehmen, sie zu gestalten bedeutet sich in die Verantwortung zu begeben. Räume führen zu Auseinandersetzung und Kontext. Seit Jahrhunderten schaffen sich Menschen Raumgestaltungen und Ausdruck. Sei es Malerei oder Tapete, bildlich oder abstrakt – der Wunsch des Menschen seinen Raum zu gestalten, ist tief in ihm verankert. Patricia Lambertus orientiert sich mit ihrem „Walkthrough-Projekt“ an klassischen Bildtapeten und Motiven und führt einen doch in eine sinnlich-gegensätzlich-aufregende Welt. So wie es sie noch nicht gibt.

Darüber muss man reden…

 

Die in Berlin und Bremen lebende Künstlerin Patricia Lambertus schafft immersive Räume. In der Ausstellung Walktrough inszeniert die� Künstlerin den im November wiedereröffneten Projektraum 404 und gibt einen Einblick in die Bandbreite ihres Schaffens. Sie nutzt die Räume für einen bühnenartigen Aufbau, in dem man in einem Walkthrough durch die verschiedenen Räume geleitet wird hin zum zentralen Stück der Ausstellung. Der Projektraum wird so zum Bildraum, den man durchschreiten kann.
In ihren raumgreifenden, überbordend bunten Installationen bedient sich die Künstlerin aus dem reichen Fundus an tradierten Bilderwelten der Hochkultur, greift aber ebenso auf Darstellungen popkultureller und gesellschaftlicher Phänomene zurück.
In ihren großangelegten, digital erstellten Collagen, wie beispielsweise der Arbeit Apokalypse in der Stephanie-Kulturkirche, verknüpft und verwebt sie die unterschiedlichsten Bilder in ihrem Werk zu einem Gesamtraum, in das sich die Betrachter hinein begeben können. Die so inszenierten Räume und Bilderwelten sind immer auch ein Blick auf gesellschaftliche Realitäten und damit auf den Gesellschaftsraum, in dem wir uns als Menschen des beginnenden dritten Jahrtausends bewegen.
Ihre Auseinandersetzung ist immer direkt, laut und zwingend und lässt den Betrachter*innen nicht die Möglichkeit, sich in einer subtilen oder gar schwelgerischen Indifferenz gegenüber ihren Arbeiten einzurichten. Statt dessen sind die Betrachter gefordert. Gefordert sich zu positionieren, einen Standpunkt einzunehmen, aber auch sich zu bewegen und neu zu orientieren, um überhaupt die Gesamtheit des Werks erfassen zu können. So sind die Betrachter*innen sowohl gefordert sich zu ihren Arbeiten zu positionieren, als auch zu den dargestellten Inhalten.
Die Ausstellung ist dementsprechend ein Walkthrough als Durchgang durch die Arbeit der Künstlerin. Ebenso ist sie ein Walkthrough im Sinne einer „Schritt-für-Schritt-Anleitung“ für den Umgang mit einer überbordenden Welt, in der die Menschen mit Bilderfluten bisweilen an die Grenzen der Überforderung getrieben werden und in der wir doch gezwungen sind uns zu bewegen.