Stephane Leonard
Vernissage: 20.03.2026, 19 Uhr.
Artist Talk: 02.05.2026, 15 Uhr.
Ausstellung: 21.03. – 02.05.2025
Öffnungszeiten: Do. und Fr. 16 – 19, Sa. 14 – 17 Uhr
Ort: Raum404, Nicolaistrasse 34/36, 20195 Bremen

Mit der Ausstellung Icons lädt Kulturnetz e.V ein weiteres Mal Stephane Leonard in seine ehemalige Heimat ein. In einem uneindeutigen Raum zwischen Zeichnung, Druck und Malerei liegend fügt sich Leonards Arbeit in das kuratorische Konzept vom raum404 ein, der mit seiner Programmgestaltung diese Stelle belegt. An der Schnittstelle zwischen Grafik, Illustration, Malerei und Comics arbeitend ist für Kulturnetz e.V. Schrift und Sprache immer schon eine zentrales Thema, von Ausstellungen zu abstrakten Comics bis hin zu Positionen des asemischen Schreibens.
In der Ausstellung (ICONS) – Altarbilder lenkt Leonard den Blick auf Schrift, aber eben nicht auf Schrift in ihrer Funktion der Übermittlung eines konkreten Bedeutungsinhalts. Statt dessen geht es um Schrift als Verweisstruktur. Bedeutung wird hergestellt, geht aber nicht im Zeichen auf sondern verweist im unabgeschlossen auf einen Möglichkeitsraum.
Schrift in historischen Bildern erscheint nicht immer als lesbarer Text. In spät-mittelalterlichen Altarbildern finden sich oft Spruchbänder und Inschriften, die eher fragmenteweise oder schwer entzifferbar eingesetzt werden: Sie markieren Bedeutung, ohne sie eindeutig zu machen. In orthodoxen Ikonen wiederum ist Schrift ein integraler Bestandteil des Bildwesens, nicht als erzählende Sprache, sondern als zeitlose Zeichen göttlicher Präsenz (etwa die Buchstaben IC XC für Christus oder MP-ΘΥ für die Mutter Gottes).
In (ICONS)- Altarbilder finden sich Spuren dieser historischen Praxis. Schrift entsteht hier nicht als Informationsmedium, sondern als offener Raum der Empfindung. Die Reduktion und Fragmentierung – ähnlich wie in der Ikone – schafft Leerstellen und Resonanz, sodass Bedeutung nicht vorgegeben wird, sondern im Betrachter entsteht. Die Fragmente jedoch bauen keine Bezüge zur Religion, sondern zur Popkultur, indem sich dort Liedtexte, Zeilen aus Romanen oder Künstler:innen (Charli XCX) wiederfinden. Die zum Teil unlesbare Schrift wird zur Metapher für reale und aktuelle Sehnsüchte, Hoffnungen und die Suche nach einer emotionalen Tiefe im Alltäglichen. Sie verweist dabei nicht auf etwas eindeutig Bestimmbares, sondern auf das, was wir im Unvollendeten erahnen, erinnern oder erhoffen.
Ermöglicht durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung